Studie zeigt auf: Neue Diesel nicht klimafreundlicher als Benziner

Es zeichnet sich immer mehr ab, dass es sich bei der Prämisse „Diesel bedeutet Klimaschutz“ um ein Märchen handelt. Zahlen einer jetzt von Transport & Environment vorgelegten Umweltstudie widersprechen den Aussagen der Automobilkonzerne. Neu zugelassene Diesel-PKW produzierten nicht weniger CO2 als Benziner. Bezogen auf die gesamte Betriebsdauer emitierten Diesel sogar mehr klimaschädliche Abgase. Gründe seien die energieintensivere Produktion des Kraftstoffs und der Motoren, höhere Fahrleistungen wegen niedrigerer Literpreise sowie höhere Emissionen durch den beigemischten Biodiesel. Außerdem würden Diesel-Motoren tedenziell eher in großen und schweren Fahrzeugen eingesetzt. Damit scheinen die Aussagen von Daimler-Chef Dieter Zetsche und BMW-Chef Harald Krüger, dass Diesel zur Erreichung der Klimaziele gebraucht würden, widerlegt.

Feinstaubalarm in Stuttgart

Seit dem 11. Januar 2016 löst die Stadt Stuttgart Feinstaubalarm aus, sobald der Deutsche Wetterdienst (DWD) besonders schadstoffträchtige Wetterlagen vorhersagt. Die Bevölkerung in Stuttgart und in der Metropolregion sollte dann das Auto innerhalb der Umweltzone nicht nutzen und auf den Betrieb von Komfort-Kaminen verzichten. Die Aufforderung hat freiwilligen Charakter, verbindliche Fahrverbote werden bislang nicht ausgesprochen.
Informationen über die aktuelle Feinstaubsituation in Stuttgart

Diesel in der Kritik: Hohe Stickoxid-Emissionen, Klimavorteil gering

Der Bestand von Diesel-PKW ist in den letzten Jahren von Jahr zu Jahr gestiegen. Nicht zuletzt ein Ergebnis der niedrigeren Besteuerung. Nachdem wissenschaftliche Studien gezeigt haben, dass Dieselmotoren weitaus mehr Stickoxide ausstoßen als bislang vermutet, fordern Fachleute eine Abkehr von der steuerlichen Besserstellung. Das Umweltbundesamt (UBA) spricht sich in seiner Jahrespublikation „Schwerpunkte 2015“ für Fahrverbote für „alte Diesel-PKW“ in Umweltzonen aus.
Das Bundesverkehrsministerium und die Automobilindustrie stemmen sich jedoch vehement gegen derlei Forderungen. Als Argument wird eine bessere Klimabilanz von Dieselfahrzeugen ins Feld geführt. Dieser Vorteil ist aber nur auf den im Vergleich geringeren Verbrauch von Dieselmotoren zurückzuführen; pro Liter Kraftstoff stoßen Diesel sogar mehr CO2 als Benziner aus. Und da immer mehr schwere Premiumfahrzeuge mit Dieselantrieb auf die Straßen kommen, schrumpft der Vorteil stark zusammen. Umweltverbände vermuten hinter der Argumentation der Industrie und des Bundesverkehrsministeriums die Sorge um das Geschäftsmodell der deutschen Prämiumhersteller. Dass Klimaschutz im Premiumbereich auch ohne Diesel funktioniert, zeigen laut Fachleuten Luxusautos aus Japan, die mit Hybrid-Technologie unterwegs sind.
Dobrindt will Dieselsteuer nicht anheben (Tagesschau)
ICCT-Studie zu CO2-Emissionen europäischer Autohersteller
ICCT-Studie zu NOx-Emissionen von Diesel-Fahrzeugen

WHO-Studie zu Luftverschmutzung

NO2-Konzentrationen über Europa

Foto: ESA

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt vor einer weltweit zunehmenden Luftverschmutzung. Betroffen seien vor allem die aufstrebenden Metropolen Asiens. Rund 7 Millionen Menschen seien allein 2012 an den Folgen der Luftverschnutzung gestorben, davon 117.000 in Europa.
7 million premature deaths annually linked to air pollution
Luftverschutzungs-Atlas der ESA